Musicalische Hochkaräter beim Saisonstart zu Pfingsten
Tecklenburg pendelt zwischen Golgatha und dem Wilden Westen
Die Tecklenburger Freilichtspiele laufen sich warm. Nur noch wenige Wochen bis zum Start in die neuen Spielsaison, die traditionell immer schon an Pfingsten beginnt, am zweiten Feiertag, dem Montag. Die „Musical meets Pop“-Gala markiert auch diesmal wieder den klangvollen Auftakt der sommerlichen Aufführungsreihe, die 2011 von der Gershwin-Revue „Crazy for You“ (Premiere 25. Juni) und dem Webber-Klassiker „Jesus Christ Superstar“ (ab 29. Juli) geprägt wird. Mit dem Kinder- und Familienstück „Peter Pan“ tragen die Macher ab 22. Mai den Interessen ihrer kleineren Gäste Rechnung.
Für die Eröffnungsveranstaltung am 13. Juni schöpfen die Haus- und Bühnenherren
um Intendant Radulf Beuleke wieder aus dem Personalfundus musicalischer
Hochkaräter. Pia Douwes, die First Lady des europäischen Musicals, führt die
Liste der Stars an. Auf selbiger stehen ferner so populäre Namen wie der
des Tecklenburg-Debütanten Jan Amman und der der „Päpstin“ Sabrina Weckerlin. Im
Aufgebot ferner Patrick Stanke, Anne Welte, Marc Clear, Sascha Krebs, Marc Seitz
und Filipina Henoch. Das wird ein Fest! Und das beginnt an diesem Tag
bereits um 18 Uhr. Klaus Hillebrecht und seine Band bestellen das Feld für
den dreistündigen Melodiemarathon, der eine spannende Mischung an Hits und
Perlen aus Pop, Rock und Musiktheater beinhaltet. Dass die Veranstalter bei
dieser Gelegenheit „ganz nebenbei“ auch PR in eigener Sache bzw. für die beiden
anstehenden Hauptstücke machen wollen, versteht sich von selbst. Nicht von
ungefähr sind singen und tanzen die Hauptdarsteller aus „Crazy for You“ und
„J.C.“ in der ersten Reihe.
Alte Bekannte und neue Gesichter
Sir Andrews Rock-Oper um die letzten Tage Jesu wird in der neuen Saison nach
2001 und 2002 zum dritten Male in „Teck“ aufgeführt, diesmal freilich in einer
kompletten Neuinszenierung. Die wird von Marc Clear verantwortet, der damit nach
den „3 Muslketieren“ im Vorjahr seine zweite Regiearbeit im Münsterland
abliefert . Clear wird auch selbst als Pilatus zu sehen und zu hören sein.
Den Titelpart haben die Verantwortlichen Patrick Stanke anvertraut, der damit
nach Jekyll & Hyde und „Aida“ (Radames) seine dritten Hauptrolle an
Deutschlands Sommer-Broadway übernimmt. Mischa Mang trägt als Judas den
vom Script her konturenreichsten Part des Stücks; als Maria-Magdalena begegnet
uns die Niederländerin Femke Soetenga. Auf „alte“ und beliebte Bekannte stößt
das Publikum auch auf anderen Positionen des mit Bedacht ausgewählten Ensembles.
So sind „D’Artagnan“ Thomas Hohler als Simon Zelotes, Adrian Becker als
„Herodes“ und Stefan Poslowski als „Annas“ mit von der Partie.
Musikalische Leitung: Klaus Hillebrecht.
Da steppt der Bär: „Shim Sham“, „Maxi Fords“ und „Cramp
Rolls“
Aber ehe der Messias gekreuzigt wird, steppt an gleicher Stelle erst mal der
Bär. Die turbulente und temporeiche Wild-West-Komödie „Crazy for you“ ist
ein krasser Kontrapunkt zum hochdramatischen Krimi um den Tod des Judenkönigs.
Karohemden, Boots, Cowboyhüte, Walzer, Swing und viele, durch kleine
Metallplatten unter den Schuhsohlen der Akteure verstärkte „Klacks“ zwischen
„Shim Sham“, „Maxi Fords“ und „Cramp-Rolls“ - und wie die Schrittkombinationen
beim Step- oder Tap Dance (Französisch: Claquettes) auch immer heißen mögen -
verdichten sich zu einem Parforceritt überschwänglicher Lebensfreude und guter
Laune.
George Gershwin hat dieses Werk so, wie es heute in aller Welt gerne aufgeführt
wird, nie erlebt. Es entstand in dieser überarbeiteten Fassung erst
1991/92, indem die Ur-Vorlage „Girl Crazy“ unter strenger Aufsicht der Erben um
weitere Hits des genialen Komponisten angereichert wurde. „I got Rhythm“ oder
„They can’t take that away from me“ sind die bekanntesten Melodien daraus. Kurz
gesagt geht es darum, dass die Einwohner eines verschlafenen Kaffs in der
Prärie von Nevada eine Musicalshow zur Rettung ihres Theaters auf die Beine
stellen. Turbulente Lovestory und gleich mehrere Happyends inklusive. Bobby
Child, reicher Spross einer Bankerfamilie, soll das klamme Haus abwickeln, hat
aber insgeheim selbst Bühnenambitionen, verliebt sich in Polly, die hübsche
Tochter des Theaterdirektors, und …. Den Rest kann man sich denken – oder auch
nicht.
Reinhard Brussmanns Einstand im Münsterland
Auch für diese Inszenierung, bei der Andreas Gergen und Christian Struppeck Regie führen, haben die Tecklenburger ein starkes Darstellerteam gecastet. Dazu zählen u.a. Marc Seitz (Bobby Child), Filipina Henoch (Polly) und vor allem „Bonifatius“ Reinhard Brussmann, der damit als Theaterdirektor Everett Baker seinen Einstand auf dem Balkon des Münsterlandes gibt. Auch die unvergleichliche Anne Welte ist wieder mit von der Partie, ferner Bettina Mönch, Mathias Schlung und Frank Winkels, um nur einige zu nennen. Musikalischer Leiter ist Tjaard Kirsch, für das passende peppig-schwungvolle Bewegungsvokabular zeichnet der Sänger, Tänzer und Choreograf Danny Costello verantwortlich.
Mit
großem Chor und großer Statisterie
Bei beiden Produktionen können die Freilichtspiele wieder ihre hauseigenen
Trumpfkarten ausspielen, um die die Konkurrenz sie so beneidet: Den großen Chor
und die große Statisterie. Da kommt Leben in die Bude, da füllt sich die
weitläufige Bühne mit bis zu 150 Akteuren. Sowohl „J.C.“ als auch „CfY“ bieten
Raum genug für eindrucksvolle, personalintensive Aufzüge dieser Art. JÜRGEN
HEIMANN
Tickets für den Tecklenburger Festspielsommer 2011 können unter der
Telefonnummer (05482) 220 geordert werden. Weiterführende Infos im Internet:
www.buehne-tecklenburg.de